Alt wie ein Baum

… ist die Jugendweihe, mit festen Wurzeln, die in das 19. Jahrhundert reichen. Sie beruht auf guten Traditionen, die trotz politischer Beanspruchungen in zurückliegenden Zeiten vielen Menschen bedeutungsvoll und auch für die Zukunft erhaltenswert sind.

Eine Wurzel sind die Initiationsfeste, jene vielgestaltigen Weiherituale der Naturvölker, in denen Kinder zu Erwachsenen gekührt werden. Mitte des 19. Jahrhunderts hat das Humanitätsideal der Aufklärung, die Verbindung von Humanität und Toleranz, entscheidenden Einfluss auf die Entstehung der Freidenkerbewegung und damit auch der Jugendweihe. 1846 findet die erste Feier einer freireligiösen Gemeinde in Breslau statt.

1852 wird erstmals der Begriff „Jugendweihe“ für die weltliche Feier, mit der die Familie den Eintritt ihrer Kinder ins Jugendalter festlich begehen, verwendet.
In Berlin fand die erste große Feier zur Jugendweihe am 14. April 1889 im Großen Saal des Konzerthauses Leipziger Straße statt. 1.500 Besucher waren erschienen, um mit 37 Mädchen und Jungen das Fest der Jugendweihe zu begehen.

In Hamburg fand die erste „proletarische“ Jugendweihefeier am 24. März 1890 im „Victoriagarten“ statt. Die Teilnehmerzahl stieg sehr schnell an. Zur Zeit der Weimarer Repubklik nahm fast ein Drittel der 14-jährigen Jugendlichen an der Jugendweihe, d.h. den Vorbereitunsgkursen und der Jugendweihefeier, teil.

Seit 1889 und besonders nach dem 1. Weltkrieg gibt es eine Vielfalt von Jugendweihen der verschiedenen Freidenkerverbände, Arbeiterparteien und Gewerkschaften, die zunehmend parteipolitisch geprägt sind, sich aber ungeachtet dessen zu einer für breite Schichten akzeptierten Festkultur entwickeln.

1933 werden die fortschrittlichen freireligiösen Verbände und ihre Jugendweihen von den Schergen der NSDAP aufgelöst.

Die Nazis verboten die freidenkerische Jugendweihe und ließen den damaligen Vorsitzenden des Freidenkerverbandes Max Sievers 1944 hinrichten!

Schon 1946 finden im befreiten Deutschland wieder Jugendweihekurse und -feiern statt, die allerdings keine staatliche Förderung erhalten. Auch in Hamburg erkämpft die „Arbeitsgemeinschaft Jugendweihe“ die Genehmigung der britischen Besatzungsbehörde, Jugendweihefeiern durchführen zu dürfen.

Bald wurden die Teilnehmerzahlen aus der Vorkriegszeit erreicht und bis zu 3.000 Jugendliche besuchten die vielen Kurse und Feiern in zahlreichen Stadtteilen.

Auch in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurden seit 1946 Jugendweihen durchgeführt. Allerdings passten die freidenkerischen Angebote nicht in das politische Kalkühl der im April 1946 durch Zwangsverschmelzung von SPD und KPD entstandenen SED und so wurde im Februar 1950 mitgeteilt, dass neben den staatlichen Schulentlassungsfeiern Jugendweihen nicht mehr durchgeführt werden dürften.

Am 6. Juli 1954 jedoch beschloss die SED, die Jugendweihe als staatlich gelenkte Organisation des Klassenkampfes einzuführen. In den folgenden Jahren wurde es gleichsam zur politischen Pflicht, an der Jugendweihe teilzunehmen. Die Nichtbe- teiligung konnte durchaus negative Folgen für die Betroffenen und ihre Familien haben.

Aus gutem Grund hat die Jugendweihe Hamburg e.V. nicht mit der staatlich gelenkten Jugendweihe in der DDR zusammengearbeitet, deren Indoktrination lief dem humanistischen Ansatz eines selbstbestimmten Lebens zuwider.

In die Zeit der Wiedervereinigung fiel 1990 in Hamburg die Feier „100 Jahre Jugendweihe in Hamburg„. An ihr nahmen auch verschiedene Vertreter von Jugendweihen aus den Neuen Bundesländern teil.
Im Rahmen der Städtpartnerschaft Hamburg – Dresden wurde eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufgebaut. Bereits 1989 trafen sich auf Bitte der Dresdener Jugendweihe, deren Geschäftsführer Günter Theeg den Hamburger Senat um Unterstützung beim Aufbau einer demokratisch- humanistischen Jugendweihe in der Partnerstadt gebeten hatte, dieser mit dem Ehrenvorsitzenden der Hamburger Jugendweihe Kurt T. Neumann sowie dem Vorsitzenden der Hamburg Stiftung „Geistesfreiheit“ Konny G. Neumann in Dresden. Die Hamburger luden die Vertreter der Jugendweihe aus Dresden und Sachsen nach Hamburg ein und es ergab sich in Folge eine für beide Seiten konstruktive Zusammenarbeit.
Bald fanden im Hamburger „Jugendpark Langenhorn“ erste gemeinsame Schulungen statt; die Erfahrungen der Hamburger Jugendweihe mit Vereinsarbeit, den westdeutschen Strukturen und rechtlichen Rahmenbedingungen bis hin zu Möglichkeiten der Nutzung von ABM-Stellen wurden übermittelt mund trugen erfolgreich zum Aufbau demokratischer Strukturen der Jugendweihe in Sachsen bei.

Das Jugendmagazin „Freier Blick“ wurde vorgestellt und ab 1992 gemeinsam herausgegeben. Auch über ein gemeinsames Geschenkbuch für die Jugendweihefeiern wurde eine Einigung erzielt, eine gemeinsame Redaktion aus Dresdenern und Hamburgern erarbeitete das 94 Seiten umfassende Buch, das in einer Auflage von 35.000 Exemplaren erschien.
Der damalige Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Henning Voscherau, schrieb ein Grußwort, das auf die Geschichte der Jugendweihe verwies und die Notwendigkeit betonte, „den Mißbrauch der Institution Jugendweihe unter der SED-Herrschaft abzulösen durch Vorbereitungskurse und Feiern, die dem ursprünglichen, auf Unabhängigkeit von staatlicher Obrigkeit bedachten, freiheitlichen Sinn gerecht werden.“

Am alten, starken Baum der Jugendweihe wurden in der Wendezeit 1989/1990 die von ideologischer und staatlicher Vereinnahmung entstellten Äste im Osten Deutschlands vollständig beseitigt.
Die neu gegründete „Jugendweihe Deutschland“ pflegt die Traditionen, die dem ursprünglichen Grundsatz folgen: Vermittlung von humanistischen Auffassungen an junge Menschen und eine würdige Feier an der Schwelle zum Erwachsensein.

Auf Einladung des Präsidenten der „Interessenvereinigung Jugendweihe e.V.“, Werner Riedel, nahm der Vorsitzende von Jugendweihe Hamburg e.V., Konny G. Neumann, 2001 an einem Sondierungsgespräch zum Beitritt des Hamburger Vereins zum Bundesverband teil. Die positiven Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Jugendweihe in Sachsen und seit 1993 auch in Barnim (Brandenburg) sowie der sehr positive Verlauf des Gesprächs mit Werner Riedel führten 2001 zum Beitritt des ersten westdeutschen Jugendweihevereins zum Bundesverband „Jugendweihe Deutschland e.V.“ wie er sich durch Satzungsänderung nach der Aufnahme von Jugendweihe Hamburg e.V. nannte.
Seit 2003 beteiligt sich „Jugendweihe Deutschland e.V.“ am Jugendmagazin „Freier Blick“ (siehe dort).
Der Vorsitzende von „Jugendweihe Hamburg e.V.“, Konny G. Neumann und sein Stellvertreter, Arne Lund, arbeiten seit 2005 als Vizepräsident bzw. 2009 als Beisitzer im Präsidium von Jugendweihe Deutschland mit.
Sie werden ebenso in den Ethikrat, die Redaktion für das Geschenkbuch „Weltanschauung- Jugend verändert die Welt“ delegiert und sind maßgeblich für den „Freien Blick“ zuständig (Herausgeber und Redakteur).
Mit Konny G. Neumann wird im März 2013 ein Hamburger zum Präsidenten von „Jugendweihe Deutschland“ gewählt.

2013 „Jugendweihe Hamburg“ und „Jugendweihe Deutschland“ beteiligen sich maßgeblich am „Deutschen Humanistentag“ vom 30.4. bis 4.5.2013.

2015 feiert „Jugendweihe Hamburg e.V.“ „125 Jahre Jugendweihe in Hamburg
Der Erste Bürgermeister der Freie und Hansestadt, Olaf Scholz, würdigt in einem Gruß- und Gratulationswort die Arbeit der Jugendweihe.

Aus diesem Anlass wird auch am 28. September 2015 ein Senatsempfang im Hamburger Rathaus vom damaligen Sozialsenator, Detlef Scheele, durchführt.

Näheres unter 125 Jahre Jugendweihe

Eine ausführliche Geschichte der Jugendweihe in Hamburg findet sich in den Publikationen: „100 Jahre Jugendweihe in Hamburg“ (Heinevetter-Verlag, 1990) und im Buch „120 Jahre Jugendweihe in Hamburg“(Duden-Paetc-Verlag, 2010);
„Freier Blick 2015 – Sonderausgabe 125 Jahre Jugendweihe in Hamburg“.

Die Bücher können über unsere Geschäftsstelle 040-256621 oder 040 531 28 50 oder per Mail an Jugendweihe-Hamburg(at)t-online.de bestellt werden.

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